Soo, die erste Woche Norwegen ist nun um und der zweiten droht auch schon das Ende – ein guter Zeitpunkt um ein kleines Fazit abzugeben.
Also erst einmal, es stimmt alles was man über Norwegen hört
Norweger sind auf eine witzige Art und Weise ziemlich schüchtern. Ich erinnere mich da an einen Abend. Wir waren zu einem vorspiel1 eingeladen. In der großräumigen dreier-WG saßen etwa 30 Leute recht ordentlich auf den vorhandenen Sitzmöglichkeiten. Auf den ersten Blick sah alles normal, ja sogar “deutsch” aus. Doch bei den weiteren Beobachtungen viel einiges ganz klar auf: niemand bewegte sich wirklich, viele starrten auf den Boden, es wurde sich nur leise unterhalten, es war kaum Musik zu hören, niemand traute sich etwas von den Snacks zu nehmen und wir (die Ausländer) wurde teilweise nur sehr vorsichtig aus dem Augenwinkel bestaunt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, der ein oder andere erwidert dann und wann schon mal ein lächeln und lässt sich auch ansprechen. Aber Obacht! Man selber, wird nur in Ausnahmefällen von Ausnahme-Norwegern angesprochen. So ist es also gar kein Problem, neben einem Norweger auf der Couch zu sitzen ohne dass man von ihm beachtet wird. Man muss sich also freundlich zu dem norwegischen Fremden drehen, ihm in die Augen sehen (nur keine Angst zeigen) und sich dann vorstellen. Hat man nun die Hand des Gegenüber in der seinigen, ist Stufe eins geschafft – das heißt aber noch lange nicht dass man sich nun mit demjenigen unterhalten wird, denn (je nach eigenem Small-Talk-Geschick) man muss binnen Sekunden anfangen zu reden, andernfalls dreht der Norweger sich wieder weg, als wäre nichts gewesen.
Ein weiteres lustiges Phänomen ist es, wenn man Norweger mit Bier zusammenführt. Es genügen schon wenige der so beliebten 0,33l Tuborg Flaschen (sechs Flaschen rund acht Euro) um aus einem Standard Norweger, einen unglaublich witzigen und gesprächigen Menschen zu machen. Diese Prozedur des Menschwerdens dauert etwa drei bis vier Stunden und bedarf schätzungsweise 5 mal 0,33l Bier.
Ab diesem Punkt war dieser Abend unglaublich witzig. Man vernahm plötzlich Musik. Man hörte Leute laut lachen. Viele liefen aufgeregt durch die Wohnung. Alle hatten einfach richtig Spaß.
Um die Schüchternheit weiter darzustellen: Wenn man den Flur im Wohnheim entlang kommt und man sieht wie ein Einheimischer das eigene Erscheinen vernimmt und dann blitzartig auf den Boden starrt und zügig weg läuft, sollte man das nicht persönlich nehmen. Ebenso darf man es niemanden übel nehmen, wenn man im Hausflur ignoriert wird. Grüßen is’ nich’! Erst wenn man einige Male gesehen wurde, kann man auf ein kleines “Hei” hoffen.
Ansonsten ist hier alles ein klein wenig ruhiger und lockere als in Deutschland. Die Leute sind scheinbar viel hilfsbereiter und freundlicher. Wenn man am Straßenrand steht, in der Nähe eines Zebrastreifens, halten die Autofahrer zuvorkommend an.
… nu hab ich irgendwie den Faden verloren … das Fazit wird später weitergeführt …