Basic Halfknowledge – Advanced Fail

„No one can reach me the water!“ – J. Vielmeier prognostiziert, auf Basic Thinking „Das Jahrzehnt der Entwickler bricht an„. Und ich bin „geflasht“ von so viel Halbwissen!

Wie am Anfang schon sehr gut erkannt wurde, muss jemand der sich Programmierer schimpfen will, einiges an Wissen aufweisen. Die reine Fähigkeit verschiedenen Programmiersprachen (btw: Java ist keine Auszeichnungssprache!) nutzen zu können, reicht allerdings nicht aus! Dazu kommt noch ein Berg an theoretischem und methodischem Wissen. Kurzum, so etwas liest man sich nicht an zwei Wochenenden an. In einem dreijährigem Bachelor-Studium zum Informatiker (merke: Programmierer < Informatiker) lernt man viel und dennoch nicht alles. Es reicht alle Male als sehr gute Grundlage für einen Berufseinstieg – und das liegt nicht am Studiensystem, sondern einfach an der Vielfältigkeit des Themas (wobei wir hier „Thema“ sehr weit fassen).

Vielmeier behauptet vorlaut, Programmierer würden in den kommenden Jahren zu modernen Bauern werden, die die Drecksarbeit machen. Geld verdienen, würden sie dabei  nur sehr wenig. Die „Veredler“ sind es sie das dicke Geld machen würden. Denn sie sind es, die innovative Produkte, mit den vorbereiteten Baukastensysteme, bauen. Viel wissen müssen sie auch nicht, denn dank der Baukästen der Bauern, ist es für jeden ein Leichtes individuelle Programme, Apps und Webseiten zu erstellen.

Also bitte! Das ist doch an den Haaren herbeigezogener Blödsinn! Würde das so eintreffen, haben wir bald Millionen verschieden aussehender Software, die doch immer gleich ist. Das ergibt sich schon aus dem Fakt das man mit Baukastensystemen nur das bauen kann, was das System anbietet. So viel Potenzial an Innovation oder Entwicklungsmöglichkeit kann dabei nicht vorhanden sein. Weiterhin haben die Nutzer der Bau(ern)kästen wenig bis kein Spezialwissen, was die Entwicklung neuer und einzigartiger Produkte weiter stark beeinträchtigt. Ein dritter Fakt, und ich denke das ist einer der wichtigsten, der diese Theorie verblassen lässt, ist, dass niemand 526 Twitter-Apps braucht; niemand will 621 verschieden aussehende „Facebook-Like-Buttons“; niemand interessiert sich für das 201. Social-Network-Portal … niemand will irgendetwas aufgewärmtes, dass es schon x Mal gibt!

Besonders im Internet gilt eines stärker als irgendwo anders: Jede Idee funktioniert nur ein Mal sehr gut! Ein zweites Mal kann es vielleicht noch so mittel-gut funktionieren. Über den dritten Versuch redet niemand. Das beste Beispiel ist wohl „The One Million Dollar Page„. Das gab es ein Mal und wird es nicht ein weiteres Mal geben. Ein aktuelleres Beispiel ist Twitter. Googles Versuch seinen Buzz zu etablieren war eine Riesenluftnummer. Man stelle sich nur mal vor, wie das aussehen würde, würden Internetdienste (oder allgemein Software) mit reinen vorgefertigten Baukästen erstellt werden: Es gäbe einen kurzen Hype und danach nur noch Desinteresse.

Ich, als Informatiker (respektive Programmierer UND Entwickler), bin vielleicht nicht unbedingt der mit den meisten und innovativsten Ideen, aber ich bin auf jeden Fall der der Ideen umsetzen kann – und zwar weit über den Horizont eines Baukastensystems hinaus!

5 Gedanken zu „Basic Halfknowledge – Advanced Fail

  1. Sehr richtig. Es wird eher umgekehrt sein. Jemand, der nur Baukasten kann wird wenig verdienen, jemand der Widgets erweitert oder eigene Bibliotheken erstellen kann (=Spezialist) verdient viel.

    Ist ja jetzt auch schon so. Jemand der nur ein bisserl Dreamweaver + CSS +ein bisserl PHP kann verdient fast nix, ein PHP Entwickler (bzw. auch JEE, Ruby, Perl, etc.) kann sehr viel verdienen.

  2. Ich muss dir vollkommen zustimmen. Ich bin ja selbst Informatiker und merke immer wieder selbst, das nur programmieren zu können definitiv nicht ausreicht. Ein reiner Entwickler kann zuarbeiten machen aber ihm fehlen Techniken und Wissen um beispielsweise eine Software einfach erweiterbar zu machen.
    Und Baukastensystem sind zwar ganz nett aber letztendlich doch Müll wenn eh alles gleich aussieht.

  3. Sehr schöner Text! Aber dreh es wie du willst – der Entwickler macht die Drecksarbeit. Geld verdienen die, die keine Ahnung haben! 🙂 Projektleiter, die vermutlich keinen „Baukasten“ bedienen könnten und sehr oft nicht mal aus der Informatik kommen haben am Ende viel mehr raus als der Entwickler. Das gleiche bei Consultants! Bei Projekten wie Facebook oder Twitter ist bestimmt kein Programmierer reich geworden!

  4. Hi Brian,

    schöne Antwort – ich hatte meine Aussage auch schon bei Basic-Thinking geschrieben…

    Was ich am tollsten finde: Die dortige Redaktion glaubt, dass „App-Scripter“ mehr verdienen als die wenigen Spezialisten, die sehr spezifischen Code für bestimmte Szenarien schreiben können – dabei dachte ich immer noch, wir seien im Kapitalismus und der Preis richtet sich nach der Menge/Verfügbarkeit?
    Und:
    woher soll das Geld für all die Milliarden(!) App-Entwickler kommen, die uns morgen mit ihren Apps beglücken, die sie frühmorgens beim Kaffee gescriptet haben?

    Trotzdem: abenteuerliche Vorstellung, nicht wahr? 🙂

  5. Welch schöne Resonanz 🙂

    Wie Thomas#2 (so viele Thomase hier 😉 ) sehr schön gesagt hat, man sollte sowas wie WordPress nicht mit komplexen „Programmieraufgaben“ verwechseln oder gar vergleichen.

    Sicher gibt es immer eine Gruppe von Leuten die mehr Geld verdienen als selbst hochspezialisierte Entwickler – die Führungsetagen gibt es immer ;). Doch selbst wenn wir über Manager oder Consultants reden, auch diese verfügen über Spezialisierungen. Das Otto-Normal-Script-Kiddy kann da auch auf keinen Fall mithalten. Und das diese so viel mehr verdienen, liegt doch oft an dem Umstand dass sie projektbezogen als Freiberufler eingestellt und mit Tagessätzen entlohnt werden. Davon mal abgesehen, sollte ein Consultant auch entsprechend den Überblick haben, er/sie muss also evtl. ein breitgefächerteres Wissen haben als ein einzelner Mitarbeiter (zumindest stelle ich mir das so vor).

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