Was? Nur Bachelor?

Manche Personaler und Arbeitgeber machen auf mich einen völlig weltfremden Eindruck. Sie kapieren nicht was so ein Bachelor eigentlich kann. Deswegen nehmen sie einfach mal den Master als Messlatte und geben Berufseinsteigern, egal ob nun BSc oder Msc, grundsätzlich das Gleiche Gehalt. Und das nur weil die Leute nicht mehr mit Diplomen, wie zu ihrer Studienzeit, kommen. Auf den Zeugnissen steht im Titel was anderes. Wer so Veränderungsresistent ist und auch offensichtlich keinen Bock hat sich mit der Thematik zu beschäftigen, hat gar keine kompetenten Bewerber verdient.

Unabhängig davon scheint es mir, dass grundsätzlich zu hohe Maßstäbe gesetzt werden. Heute muss man ja für den simpelsten Job ein Abi haben. Wobei oft ein paar Wochen Einarbeitung wohl reichen würden. Der Musterbewerber hat ein Masterabschluss in Regelstudienzeit außerordentlich gut abgeschlossen und hat sich nebenbei auch noch durch sein soziales Engagement hervorgetan. (Und als Informatiker hast du am besten auch schon 2 OpenSource Projekte gestartet oder zumindest an doppelt so vielen ernsthaft mitgearbeitet).

Kommt mal von eurem hohen Ross runter!

Armes Straßenkind

„Entschuldigen Sie bitte, darf ich Ihnen eine Frage stellen…“ sagte sie und kam vorsichtig auf mich zu, während ich kämpfte meine Tasche ans andere Ende des Bahnsteigs zu bringen. Sie sah schmutzig aus. Das Gesicht gepflastert mit roten Punkten. Mit großen Augen sah sie mich durch ihre fettigen Haare an, die einen Teil des üblen Ausschlags verdeckten.

Eine Frage hatte sie dann aber doch nicht. Sie fing sofort an sich zu rechtfertigen und zu erklären warum sie mir jetzt nicht irgendeine Geschichte davon erzähle, dass sie eine Fahrkarte bräuchte oder telefonieren müsse. Sie wolle nicht lügen. Oder gar stehlen. Aber sie brauche Hilfe – die sie sich erhoffte indem sie noch größere Augen machte und ihre Bitte auf die Tränendrüse ausrichtete: „Würden Sie mir armen Straßenkind helfen?“. Sie war zurückhaltend. Ich mit jedem weiteren Wort von ihr ablehnender. „Und was wollen Sie nun?“, fragte ich angenervt. „Na ja, ich bin zum Betteln hier, ich brauche Geld.“, antwortete sie kleinlaut.

Ich bin Berliner. Vielleicht nicht einer derer, der jede Ecke im Szenenviertel kennt. Und ich war auch sonst viel zu selten in dieser coolen Bar, von der immer alle reden. Aber ich glaube ich bin zumindest so viel Großstädter, um genügend Bettler der verschiedensten Sorten gesehen zu haben. Ob es die mit dem Schild und der Catch Phrase „do you speak english?“ sind, schlechte Musiker oder penetrante Straßenfegerverkäufer . Ich glaube viele Maschen zu kennen. Umso überraschter war ich, dass diese junge Frau am Frankfurter Hauptbahnhof, glaubte mit (scheinbarer) Ehrlichkeit etwas zu erreichen.

Nun bin ich mit Sicherheit der letzte der jemanden Hilfe verwehren würde, wenn er sie denn wirklich braucht. Wer mich ein wenig kennt, weiß (eigentlich) dass wenn ich helfen kann, ich das auch mache. Aber wenn mir Bettler gegenüber stehen, schaltet diese Funktion bei mir auf NOOP.

Man möge mich bitte korrigieren (ich meine es ernst, korrigiert mich!) aber in Deutschland sollte es Dank sozialer Einrichtungen und staatlichen Hilfen für niemanden einen Grund geben auf der Straße Leute um Geld anzubetteln. Deswegen fragte ich die junge Frau bestimmt: „Warum gehen Sie denn nicht zum Sozialamt? Die geben Ihnen doch was!“. Die Antwort kam leicht zögerlich, aber ausführlich: „Ja, ich war da, aber die haben gesagt dass sie nicht zuständig sind sondern dass das Amt in StadtX zuständig ist, weil ich dort zuletzt gewohnt habe…“. Ich rollte mit den Augen.

Ey sorry, aber mal ehrlich: geht’s noch? Ja, wir leben im Kapitalismus. Das gefällt nicht jedem. Und das System ist vielleicht nicht Beste. Es gibt Leute die haben viel und andere haben wenig. Das ist nicht schön, besonders für die die wenig haben. Zugegeben. In einer heilen Welt wäre das anders und niemand hätte (Geld-)Sorgen. Aber es ist wohl in jedem noch so perfekten (sozialem) System so, dass man sich um seine Sachen kümmern muss (und ich denke hier nur an realistische Szenarien und ignoriere jegliche Fiktion). Niemand kommt und nimmt dich an die Hand um mit dir zum Amt zu gehen um diese lästige Bürokratie zu erledigen — die uns allen auf den Nerv geht.

Da steht nun also diese junge Frau vor mir — sie muss so in meinem Alter sein, auf jeden Fall unter 30 — und bettelt mich allen Ernstes an ihr Geld zu geben weil sie es nicht auf die Reihe bekommt zum Sozialamt zu gehen? Und dann hat sie sich gerade mich ausgesucht: gerade das Studium fertig und vor Kurzem erst in eine neue Stadt gezogen, eine eigene Wohnung gemietet und mit dem nötigsten ausgestattet, muss ich auch auf jeden Euro achten den ich ausgebe, damit ich in drei Monaten immer noch bedenkenlos was zu Essen kaufen kann. Das ist jetzt kein Gejammer. Mir geht’s keines Wegs schlecht. Meine Eltern waren vorsorglich genug um seit Kleinkindalter Geld für mich zu sparen, so dass ich jetzt einen netten Puffer für die Anfangszeit habe. Und selbst wenn dieser Puffer aufgebraucht werden sollte, kann ich mit Unterstützung meiner Eltern rechnen. Ich habe wohl keinen Grund zu klagen. Doch trotz dieser Sicherheit bin ich Vorsichtig und will es mir nicht erlauben mit Geld um mich zu werfen. Zudembhabe ich in den letzten Jahren (vor allem während meines Studiums) gelernt dass ich mich um alles kümmern muss, um das zu bekommen was ich brauchte und wollte.

Einige Tage vor dem „Treffen“ mit der jungen Frau am Frankfurter Hauptbahnhof, spielte sich eine ähnliche Szene vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof ab. Wieder war die Hauptdarstellerin eine junge Frau. Anders war, dass sie Geld brauchte um ihr Handy aufzuladen. Wie selten dämlich ich diese Bettelgeschichte fand, muss wohl nicht erwähnt werden. Auch diese Frau fragte ich, warum sie nicht zum Amt geht um sich Hilfe zu holen. Sie antwortete prompt, „Da war ich schon. Aber die glauben mir nicht dass ich ich bin.„. Ich konnte nicht glauben was ich da hörte: „Na, Sie haben doch bestimmt ein Personalausweis!„, sagte ich schnippisch. Daraufhin fing sie an sich unverständlich zu erklären und wandte sich mit den Worten „trotzdem Danke“ ab und ging weiter.

Das ist mir völlig unverständlich! Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt die es durch Schicksalsschläge nicht leicht im Leben haben. Dann sollen diese auch Hilfe bekommen. Gar keine Frage. Aber doch bitte von den richtigen Stellen und nicht von mir oder anderen Leuten auf der Straße. Nicht ohne Grund gibt es soziale Einrichtungen, von staatlicher und privater Hand geführt. Den leicht egoistischen Unterton kann ich an dieser Stelle leider nicht verstecken. Und dann müssen diese auch in gewisser Weise selber in der Lage sein sich bemerkbar zu machen um die Hilfe zu bekommen die sie brauchen und ihnen dann letztendlich sich hilft. Die paar Euro die man sich am Tag auf der Straße erbetteln kann, können offensichtlich langfristig keine Verbesserung bedeuten. Und um das zu kapieren muss man,  denke ich, nicht erst anfangen zu betteln. Wer dennoch nicht in der Lage ist dass zu verstehen und unbeirrt den Leuten auf der Straße Geschichten erzählt um an Geld zu kommen, hat es vielleicht gar nicht anders verdient.

Nachdem die junge Frau am Frankfurter Bahnhof mit ihren Erklärungen fertig war und sie nicht mehr wusste was sie sonst noch sagen sollte, gab es eine kleine Pause in der nichts passierte. Sie tat mir schon irgendwie leid. Ich überlegte was sie sich, wenn ich ihr Geld gebe, wohl kaufen würde. Alk? Kippen? Stoff? Oder vielleicht doch ein Brötchen und ein Shampoo?

Ich gab ihr zwei Euro. Sie bedankte sich mehrmals. Ich griff meine Tasche und ging weiter. Sie ging auch weiter und suchte wahrscheinlich den nächsten, dem sie ihre Geschichte von einem armen Straßenkind erzählen konnte.

Pampelmuse

Sagt mal, was ist eigentlich los?

Bin ich der einzige, der es etwas scary findet dass wir seit einiger Zeit unsere Schnäppchen während der Sales kaufen? Das uns Services vielerorts angeboten werden ist ja eigentlich schon normal (die Servicewüste kenne wir ja zu genüge). Auch dass ich mir ein Ticket kaufen muss, wenn ich mit der Bahn fahre, kann ich irgendwie noch verkraften. Aber dass ich mir Kaffee to go kaufen soll, daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Woran liegt es, dass alle super happy sind und diesen Umstand nicht bemerken? Vielleicht weil wir schon zu lange mit unseren Handys rumlaufen? Vielleicht kam das alles zu schleichend in unseren Alltag. Wenn ich so nachdenke, fällt mir gar keine Alternative für Grapefruitsaft ein. Aber was soll ich mir den Kopf zerbrechen … Ich mach lieber die Glotze an und warte bis mir jemand we love to entertain you entgegen brüllt. Dennoch: ist das nicht alles strange!?

So sehr diese und viele andere Veränderungen (die es gilt heraus zu stellen!) einfach zum Zeitgeist gehören, bin ich doch dafür, dass wir uns etwas besinnen und nicht alles nachquatschen was wir vielleicht im (stark amerikanisierten) Fernsehen oder anderswo hören.

Every Sperm is Sacred!

Letztens bin ich beim zappen bei hart aber fair hängen geblieben. Die Sendung beschäftigte sich mit der aktuellen PID Kontroverse. Lange konnte ich aber nicht zusehen, wie Frau Ex-Gesundheitsministerin Schmidt und vor allem der Vertreter des Ethikrats argumentierten. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Muss der Gesetzgeber überhaupt darüber entscheiden ob das erlaubt oder verboten sein sollte? Sind die potentiellen Eltern nicht mündig genug, selber darüber zu entscheiden was gut oder schlecht für sie ist?

Und wenn ich dann höre dass da Menschenleben weggeschmissen werden … man möge mich korrigieren, aber das was da in der Petrischale (ich bezweifle dass das im Reagenzglas gemacht wird) gezüchtet wird, ist nichts weiter als eine Handvoll Zellen. Das hat nicht viel mit Leben zu tun.

Zu viel Scheiße für einen Käfer

Arte zeigt einen sehr interessanten Bericht über die Atomindustrie Frankreichs der letzten Jahre. Es ist doch sehr erschreckend und bedenklich wie fahrlässig die Unternehmen mit der Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Mitmenschen spielen. Im Angesicht der Unfälle in Japan kann man nur hoffen …

Videoplatzhalter

… dass es keine Risse sind, sondern wirklich nur Kratzer.

(via Fefe)

Der Titel ist ein Zitat einer der Arbeiter, die in dem Bericht zu Wort kommen.

Now in Uberspace!

uberspace.de *

 

Es war mal wieder Zeit für etwas Veränderung! MeinBlog (und sämtlicher anderer WebKram) läuft jetzt im Uberspace.

Anfang des Jahres bin ich auf uberspace.de gestoßen. Web creme hatte die Seite wegen des schicken Designs verlinkt. Weil bei den Amis seit wenigen Jahren alles „uber“ ist, dachte ich erst an ein US-Angebot. Um so größer war die Überraschung als ich merkte dass doch Deutsche dahinter stecken.

Einige Zeit später meldete ich mich an. Damals klappte irgendwas mit der Anmeldeprozedur nicht (oben drüber blinkte noch ein roter „beta“ Hinweis), so wurde ich ohne jegliche Erfolgsmeldung auf die Startseite geleitet und bekam weder ein generiertes Passwort noch die Möglichkeit eins festzulegen. Ich dachte mir nichts dabei und plante, es einige Wochen später, wenn die Betaphase evtl. beendet ist, noch einmal zu probieren. Schon wieder überrascht wurde ich, als ich wenige Stunden nach dem Anmeldeversuch eine Mail vom uberspace Betreiber Jonas Pasche bekam … dabei hatte ich gar keine E-Mail angegeben (allerdings trug ich meine Google OpenID ein, über die man, nach etwas Suchen, einige Kontaktmöglichkeiten von mir rausfinden kann). Jedenfalls merkte man dass ich mich anmelden wollte und das nicht klappte. Jonas hat das dann eben manuell gemacht und auch gleich den Fehler beseitigt. „Toll!“, dachte ich — wo ich doch von meinen bisherigen Hostern evanzo (und mittlerweile leider auch goneo) nur Eiseskälte und Desinteresse kennengelernt hatte. So gab’s gleich noch einen Pluspunkt zu den bereits vorhandenen für das unkonventionelle Preismodell und die vielen angebotenen Features.

Bei uberspace kann man sich den Preis, den man zahlen möchte, selber aussuchen. Ab einen Euro ist man dabei und kann den Preis monatlich ändern, je nach Gefallen und Inhalt der Geldbörse. Man überweist einfach einen beliebigen Betrag auf das Konto der Betreiber und läd damit sein Konto auf, dass dann je nach festgelegten Preis monatlich sinkt. Und das Ganze ohne irgendwelchen Vertragsquatsch. Wenn man irgendwann nicht mehr will sagt man eben Bescheid und zahlt nichts mehr. Keine Kündigungsfristen, die man sowieso jedes Mal verpennt … oder geht das nur mir so? Bei evanzo habe ich vor viel zu langer Zeit ein Paket mit drei Jahre Laufzeit abgeschlossen und im ersten dritten Jahr, nach dem die Server offensichtlich völlig überlastet waren und alles nur noch laggte natürlich die Kündigung verpasst. So darf ich dieses Jahr endlich — der Brief liegt schon auf dem Schreibtisch … seit drei Tagen :roll: Vor Kurzem ging’s mir dann genauso bei goneo, allerdings weil die Herrschaften über eine Woche brauchten um meine Fragen zu lesen und dann so knapp wie möglich zu beantworten. So werde ich da wohl auch erst ein Jahr später als ich wollte weg sein … falls jemand für’n Zehner und 1 Jahr Webspace braucht, Bescheid sagen! 😉

Funktionen und Möglichkeiten hat man als Ubernaut, obwohl es „nur“ ein shared hosting ist, viele! Ich fing an mit dem ganzen Zeug hinter Guiduu auf den uberspace zu ziehen: Trac, eigene Python Eggs, SVN, Mailinglisten (und dann bald vielleicht auch die RoR App) — alles kein Problem. Und falls ich doch mal eins hatte oder etwas brauchte das noch nicht angeboten wurde, war Jonas immer äußerst hilfsbereit und zeigte mir was zu tun ist oder griff mir einfach schnell unter die Arme.

Nun muss ich nur noch einen netten Hoster für meine Domains finden. Bis jetzt fällt die Wahl wohl auf selfhost.de, die auch mit dem Team um Jonas Pasche zusammenarbeiten. Vorschläge anderer Domainhoster sind erwünscht! Denn, bei uberspace muss man nicht seine Domains hosten. Das kann man machen wo man will, vorausgesetzt man hat die Möglichkeit DNS Einträge festzulegen um alles auf seinen uberspace zu mappen.

„Qualität statt Quantität“, wie Henry so schön sagte vor Kurzem (dessen entsprechender Kommentar beim Umzug leider verloren ging 😉 ). Bei evanzo zahlte ich rund fünf Euro pro Monat für zig Gigabyte Speicherplatz … und am Ende für ein altes PHP, keine Antworten des Apaches (nicht mal bei simplen Html Dateien), Aussetzer beim Mailserver und in den letzten Tagen ständig Fehlermeldungen von anderen Domains dass die Mailbox keine Mails mehr annimmt, weil da offensichtlich nur Praktikanten arbeiten die keinen Plan haben wie man einen Server konfigurieren muss. Das geht echt gar nicht klar!

Im Moment ist mein Uberspace noch auf einen Euro eingestellt. Aber wenn die Betaphase zu Ende ist (bin mir nicht sicher ob sie’s schon ist) und der erste Monat berechnet wurde (denn noch ist alles kostenlos!), werde ich großzügiger sein … Wobei ich wohl eigentlich was in die Kaffeekasse bei uberspace stecken müsste für die super Hilfe die ich in den letzten Wochen bekam 🙂

Abschließend: Uberspace macht einfach nur Spaß!

* mit freundlicher Erlaubnis von uberspace